Was hat sie, was hat sie, was hat sie?

Ich kenn‘ dich ja schon lang‘,

doch hätt‘ ich dir nie zugetraut,

dass du jemals auf so etwas stehst!

                                                                                                         Katja Ebstein, 1982 Songtext

 

Wenn Einer den Anderen betrügt – fremdgeht und es an das Tageslicht kommt, ist es für den bis dahin Unwissenden so, als ob ihm der Boden unter den Füßen mit einem Ruck weggezogen wird.

Der nächste Schock ist oftmals das Wissen um die Geliebte / den Geliebten.

Für so Jemanden hat der Partner alles aufs Spiel gesetzt?! Sie, die immer Männer mit Bierbauch unmöglich fand. Er, der sich immer über bestimmte Dialekte und burschikose Frauen aufgeregt hat. Dieser Mensch ist all das wert? Den Verrat an die Liebe, der gemeinsamen Vergangenheit, den Zukunftsvisionen? Selbst Herbert Grönemeyer besingt dies in seinem Lied „Was soll das“.

In den seltensten Fällen liebt der Partner wirklich die andere Person. Er sucht auch nicht etwas außerhalb der Beziehung, dass der Betrogene nicht hat. Ja, es geht ihm „Etwas“ ab – dieses „Etwas“ ist jedoch etwas, das ihm selbst fehlt. Von dem er sich ursprünglich erhofft hat, es im Partner zu finden und nicht finden konnte, da er es nur IN SICH SELBST finden kann.

Dies ist auch der Grund eine Person auszuwählen, die einen zwar fasziniert, aber niemals als realer Partner in Betracht kommt. Somit stellt die Geliebte – der Geliebte für den Fremdgeher nie eine echte Bedrohung für die bestehende Partnerschaft dar. Er zieht seinen Nutzen aus der Affäre, dass er etwas (er)leben kann, wozu er alleine nicht fähig ist. Er lebt seine Unvollständigkeit über die andere Person aus.

Nun liegt es am Paar, dies als Chance zu erkennen, sich gemeinsam auf den Weg zu machen. Sich selbst und den Partner wirklich kennen zu lernen. In seinen Partner hat man sich nicht einfach nur so verliebt und konnte sich darauf einlassen ihn auch zu lieben. Wir haben ihn uns im Unbewussten auserwählt, da wir wissen, er ist derjenige, der uns weiterbringt. Nun sollten beide den Mut haben, sich dem Anderen so zu zeigen wie man IST. Authentisch zu sein. Die gemeinsame Entwicklung geschieht nicht von heute auf morgen. Sie ist auch ganz sicher nicht ohne weitere Enttäuschungen, Meinungsverschiedenheiten und der einen oder anderen Träne zu bewältigen. Aber sie bietet beiden Partner eine Zukunft in Selbstbestimmtheit, Selbstverantwortung, Authentizität, Freiheit und Liebe.

Herzlichst

Ihre Gabriele Braun